Leistungen der Landwirte für Umwelt-, Klima- und Tierschutz sind über 5,2 Milliarden Euro wert

Studie über Kosten von Standards und Auflagen in der Landwirtschaft veröffentlicht

 (DBV) „Die deutschen Landwirte stehen ohne Wenn und Aber zu den hohen nationalen und europäischen Standards für Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung. Dies gilt besonders für den Umwelt-, Klima- und Tierschutz, aber auch für andere Bereiche. Wir müssen aber ebenso festhalten, dass diese Standards im Vergleich zu anderen Erzeugungsregionen zu höheren Kosten in der Landwirtschaft führen. Dafür muss die Gemeinsame Agrarpolitik auch zukünftig eine Antwort finden.“ Das resümierte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), als zentrales Ergebnis der Studie „Kosten europäischer Umweltstandards und von zusätzlichen Auflagen in der deutschen Landwirtschaft“. Die Studie beziffert diesen Mehraufwand für europäische und nationale Auflagen auf mehr als 5,2 Milliarden Euro.

Die Gemeinschaftsarbeit von Professor Dr. Helmut Karl, Ruhr-Universität Bochum, und Dr. Steffen Noleppa, Forschungsinstitut HFFA Research GmbH, wurde heute in Berlin vorgestellt. Schwerpunkt ist eine umfassende Analyse der Mehrkosten und Mindererlöse der Landwirte, um die Umweltstandards zu erfüllen, die letztlich auch als gesellschaftlich gewünschte Leistungen zu sehen sind.

„Bäuerinnen und Bauern arbeiten in offenen und zunehmend globalisierten Märkten und konkurrieren in vielen Produktbereichen mit anderen Erzeugungsregionen. Über diese Tatsache darf man nicht hinwegsehen. Unter diesen Bedingungen sind unsere europäischen und deutschen Standards öffentliche Leistungen des Sektors Landwirtschaft, die einen Wert haben müssen“, bekräftigte Rukwied und ergänzte: „Wir stehen zu diesen Standards. In der Debatte über die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaft und der europäischen Agrarpolitik müssen wir aber richtig mit dem Argument der öffentlichen Leistungen umgehen und die gesamte Palette solcher Leistungen einbeziehen.“

Analysiert wurden die Mehrkosten und Mindererlöse der deutschen Landwirte, die durch europäische und deutsche Umweltstandards und zusätzliche Auflagen in den Bereichen Gewässerschutz, Düngung, Pflanzenschutz, Tierhaltung, Cross Compliance, Greening sowie Emissionsschutz entstehen. Die jährlich deutlich mehr als 5,2 Milliarden Euro insgesamt bedeuten rund 315 Euro Mehrkosten pro Hektar oder jährlich knapp 28.000 Euro für einen durchschnittlichen Hof im Haupterwerb bzw. rund 400.000 Euro im Jahr für eine durchschnittliche Juristische Person, z.B. landwirtschaftliche Genossenschaften oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH).

„Professor Dr. Karl und Dr. Noleppa zeigen: Die Kosten sind erheblich und stellen einen beachtlichen Posten für jeden Betrieb dar. Die Wissenschaftler haben insgesamt vorsichtig gerechnet und nicht alle tatsächlich relevanten Standards und Auflagen berücksichtigt“, erklärte Rukwied. Nicht einbezogen wurden beispielsweise Arbeiten zur Offenhaltung der Landschaft wie z.B. die Bewirtschaftung der Kulturlandschaft auf dem Acker- und Grünland, gezielte Landschaftspflege und Beweidung. Verglichen mit Ländern außerhalb der EU zeigt die Studie, dass Landwirte in Deutschland zusätzliche Kosten von über 3,0 Milliarden Euro im Jahr für Standards und Auflagen (wie z.B. Kosten im Zuge der neuen Düngeverordnung) schultern, die es für Landwirte in Wettbewerbsländern außerhalb der EU überhaupt nicht gibt. Darüber hinaus entstehen den deutschen Landwirten Mehrbelastungen in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro für Standards und Auflagen (wie z.B. für das Nitratmanagement sowie Tiergesundheits- und Tierwohlaspekte), die in Nicht-EU-Wettbewerbsländern i.d.R. schwächer formuliert sind bzw. zu geringeren Kosten erfüllt werden können. Damit entstehe den Landwirten ein erheblicher Wettbewerbsnachteil, der in der politischen Diskussion um die EU-Agrarzahlungen berücksichtigt werden müsse.

Informationen und Unterlagen zur Studie „Kosten europäischer Umweltstandards und von zusätzlichen Auflagen in der deutschen Landwirtschaft“ sind online über den folgenden Link abrufbar: www.bauernverband.de/studie-kosten-landwirtschaft.

Die Studie wurde vom DBV initiiert und mit Unterstützung der Landwirtschaftlichen Rentenbank angefertigt

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Landwirtschaft setzt Stickstoff und Gülle immer effizienter und umweltschonender ein

Bauernverband veröffentlicht Faktencheck zum Themenkomplex Stickstoff, Nitrat und Gülle

(DBV) Die deutsche Landwirtschaft setzt Stickstoff und Gülle immer weniger und zugleich effizienter ein. Dadurch verringert sie Emissionen und Nährstoffverluste. Das geht aus dem heute veröffentlichten Faktencheck des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zu Stickstoff, Nitrat und Gülle hervor. Zielgenaue und umweltschonende Ausbringungstechniken bei flüssigen Wirtschaftsdüngern (Gülle und Gärreste aus Biogasanlagen) befinden sich immer weiter auf dem Vormarsch. Der effizientere Einsatz von Düngemitteln sichert nach Angaben des DBV Erträge und schont gleichzeitig die Umwelt.

Der Faktencheck des DBV zeigt, dass die Überschüsse in den landwirtschaftlichen Stickstoffbilanzen seit 1990 rückläufig sind. In der Gesamtbilanzierung hat sich der Überschuss im Mittelwert der Jahre 1990 bis 1993 und 2011 bis 2014 um knapp ein Viertel reduziert, in der Flächenbilanz im selben Zeitraum bereits um mehr als 30 Prozent. Dies zeigt die zunehmende Effizienz des Stickstoffeinsatzes in der Landwirtschaft. Entsprechend sei entgegen der öffentlichen Wahrnehmung an den Grundwassermessstellen für Nitrat kein genereller negativer Trend festzustellen, wie der DBV verdeutlicht. Der Anteil an Grundwassermessstellen mit fallenden Nitratkonzentrationen (33,4 Prozent) ist sogar größer als der Anteil mit steigenden (27,7 Prozent). Insgesamt halten 82 Prozent der Messstellen den Nitratschwellenwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter ein. Der DBV geht davon aus, dass sich mit der gerade in Kraft getretenen novellierten Düngeverordnung diese positiven Trends verstärken und deutlich beschleunigen.

Der DBV weist mit seinem Faktencheck ebenso darauf hin, dass von 2010 bis 2015 weniger Rinder- und Schweinegülle ausgebracht, diese genauer dosiert und schneller eingearbeitet wurde. So sank die ausgebrachte Menge von Rindergülle um 5 Prozent und die Schweinegülle um 15 Prozent, während sich die Menge an vergorener Gülle und Biogasgärresten verdoppelte. Dies stelle einen Gewinn für die Umwelt dar, da damit Klimagase und auch Gerüche aus der Gülle gemindert werden konnten, so die Einschätzung des DBV. Bei der Ausbringung flüssiger Wirtschaftsdünger zeigen die Zahlen des DBV einen Trend weg von der breiten Verteilung, dessen Anteil an der ausgebrachten Menge von fast 70 auf 55 Prozent sank (2010 bis 2015). Dahingegen verdoppelten sich besonders umweltfreundliche und präzise Verfahren wie Güllegrubber und Gülleschlitztechniken. Die Einarbeitungszeiten flüssiger Wirtschaftsdünger verkürzten sich stark, so dass Geruchs- und Stickstoffemissionen reduziert wurden: Die Menge flüssiger Wirtschaftsdünger, deren Einarbeitung länger als eine Stunde dauerte, halbierte sich von 2010 bis 2015, während sich die unmittelbar bei der Ausbringung in den Boden eingearbeitete Menge verdoppelte.

Der vollständige Faktencheck steht online unter www.bauernverband.de/faktencheck-landwirtschaft#element21 zum Download bereit.

Bauernverband und Jagdverband rufen zu verstärkter Wildschweinjagd auf

Empfehlung zur Abstimmung zwischen Landwirten und Jägern in der Maisernte

Die Afrikanische Schweinepest ist nur noch 300 Kilometer von Deutschland entfernt, bedroht sind Haus- und Wildschweine. Das Ansteckungsrisiko im Seuchenfall lässt sich bereits jetzt durch effektive Jagd senken. Die anstehende Maisernte bietet eine gute Möglichkeit dazu.

(DBV/DJV) Ab Mitte September beginnt die Maisernte: Für Jäger eine gute Möglichkeit, die Schwarzwildbestände in der Feldflur und somit im Seuchenfall das Ansteckungsrisiko der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu reduzieren. Denn Wildschweine lieben Mais und verbringen ab August viel Zeit in den Feldern. Der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Deutsche Jagdverband (DJV) appellieren an Jäger, über die gesamte Jagdsaison jede Gelegenheit zu nutzen, Schwarzwild zu bejagen. Die ASP-Ausbreitung findet derzeit hauptsächlich über verunreinigte Lebensmittel statt. Auch infizierte Wild- und Hausschweine übertragen das Virus. Über Tschechien ist die Tierseuche inzwischen bis auf 300 Kilometer an Deutschland herangerückt. Für Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich.

Für eine erfolgreiche Bejagung sollten sich Jäger und Landwirte frühzeitig über Erntezeiten abstimmen, um Vorbereitungen und Sicherheitsmaßnahmen treffen zu können, raten DBV und DJV. Bereits jetzt, zur Milchreife des Maises, sollten Landwirte Bejagungsschneisen einhächseln, um eine Bejagung überhaupt erst zu ermöglichen. Effektiver ist das Anlegen von Bejagungsschneisen schon während des Einsäens im Frühjahr. So wird eine Jagd über mehrere Monate hinweg möglich – das sorgt auch für weniger Wildschäden.

Jäger und Landwirte sind aufgerufen, ungeklärte Todesfälle bei Wildschweinen unverzüglich dem zuständigen Veterinäramt zu melden, da das Virus hochansteckend und für Schweine immer tödlich ist. DBV und DJV fordern aufgrund der aktuellen Situation Bund und Länder auf, eine effektive und flächendeckende Schwarzwildbejagung in Deutschland sicherzustellen. Dazu gehört insbesondere, die Jagdruhe in Schutzgebieten aufzuheben. Zudem sollten Behörden bundesweit dem Vorbild einiger Bundesländer und Kommunen folgen und künftig keine Gebühren mehr für die Trichinenuntersuchung von Frischlingen erheben.

 Symptome für die Afrikanische Schweinepest – Hinweise des Friedrich-Loeffler-Instituts

Bei Schwarzwild führt die Infektion zu sehr schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft („Liegenbleiben in der Suhle“) oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in nahezu allen Fällen zum Tod des Tieres etwa innerhalb einer Woche.

Beim Aufbrechen der Stücke sollte auf vergrößerte, „blutige“ Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und feine, punkt- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut geachtet werden. Die Lunge und die Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt.

Weitere Informationen zur Afrikanischen Schweinepest (Dossier):

http://www.jagdverband.de/node/4777

http://www.jagdverband.de/node/5636

Stallbau im Visier des Berliner Forums

DBV Pressemitteilung vom 06.09.17

Rechtspolitische Diskussion zur Nutztierhaltung am 17. Oktober in Berlin

(DBV) Als elementarer Bestandteil der Land- und Ernährungswirtschaft benötigt die Nutztierhaltung Ställe, die den Anforderungen der Arbeitskräfte, der Nutztiere und der Umwelt gerecht werden. Aktuelle Entscheidungen in Politik und Recht sind indes häufig einseitig auf einzelne Schutzgüter ausgerichtet und führen zu Widersprüchen und Rechtsunsicherheit. Daher nimmt das diesjährige Berliner Forum des Deutschen Bauernverbandes (DBV), der Deutschen Gesellschaft für Agrarrecht und der Edmund Rehwinkel-Stiftung am 17. Oktober 2017 das Stallbaurecht in Berlin unter die Lupe. Das Berliner Forum 2017 wird Defizite benennen, die sinnvolle Investitionen in moderne und tiergerechte Haltungsverfahren verhindern. Zudem werden Möglichkeiten einer integrierten Nutztierhaltungspolitik durch eine stärkere Verzahnung der unterschiedlichen Rechtsgebiete rund um den Stallbau erörtert.

Das Berliner Forum findet zum 9. Mal statt. Zu dieser rechtspolitischen Diskussion sind Verantwortliche und Interessierte aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft eingeladen. Die Teilnahme ist kostenlos. Um Anmeldung bis spätestens 10. Oktober 2017 unter https://veranstaltungen.bauernverband.net/events/public/berlinerforum2017 wird gebeten.

 

Sauenhalter brauchen Planungssicherheit

DBV-Pressemitteilung vom 06.09.17

Bauernverband fordert praxistaugliche Regelung für den Kastenstand

(DBV) „Die Sauenhalter brauchen in Sachen Kastenstand dringend und zeitnah eine praxisgerechte Lösung.“ Das betonte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, nachdem der Agrarausschuss des Bundesrates in seiner jüngsten Sitzung beschlossen hat, den von Niedersachsen eingebrachten Entschließungsantrag zur Kastenstandhaltung von Sauen nicht bei der nächsten Bundesratssitzung am 22. September zur Abstimmung zu bringen. „Wir haben kein Verständnis für die niedersächsische Initiative, die mit einem unzureichenden und unausgereiften Vorschlag in den Bundesrat geht, obwohl parallel eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einen in wesentlichen Punkten abweichenden Eckpunktekatalog erarbeitet hat. Wahlkampftaktik hat an dieser Stelle nichts zu suchen“, so Krüsken.

Unabhängig davon besteht aus Sicht des DBV allerdings auch beim Bund-Länder-Eckpunktekatalog Nachbesserungsbedarf. Das betrifft zuallererst die nicht ausreichenden Übergangsfristen, die absehbar einen erheblichen Strukturwandel insbesondere bei den kleineren Betrieben verursachen werden. Auch die vorgeschlagene maximale Fixierungszeit und die Regelung zur Kastenstandbreite dürften unter Praxisbedingungen das Risiko für schwere Verletzungen der Tiere massiv erhöhen. In diesem Zusammenhang fordert der DBV, dass auch die Landwirtschaft in die Bund-Länder-Gespräche eingebunden wird, um praxisgerechte Lösungen im Sinne des Tierschutzes zu finden. Planungssicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen müssten sowohl für die Landwirte als auch für die Veterinärverwaltungen wiederhergestellt werden.

Preisabsicherung durch Warenterminbörsen

DBV-Pressemitteilung vom 28.08.17

Schulungsangebot zur Umsetzung von Absicherungsmodellen im Milchsektor

(DBV) Der Deutsche Bauernverband (DBV) weist auf eine Reihe von Tagesseminaren zur Preisabsicherung von Milch hin, die von Oktober bis Dezember 2017 vom Kieler Institut für Ernährungswirtschaft in enger Zusammenarbeit mit dem DBV, Landesbauernverbänden sowie dem Deutschen Raiffeisenverband angeboten wird. Die vergangenen Jahre haben vor Augen geführt, dass die zunehmende Liberalisierung des europäischen Milchmarktes mit einer deutlichen Zunahme der Schwankungen für Milchproduktpreise und somit auch der Einkommen der Landwirte einhergeht. Daher wird es immer wichtiger, Instrumente für Milcherzeuger in die Umsetzung zu bringen, die den unternehmerischen Umgang mit den weiterhin zu erwartenden hohen Preisvolatilitäten ermöglichen.

Bei bundesweit insgesamt sieben Seminaren erhalten Milcherzeuger die Möglichkeit, das Management von Preisrisiken über die Nutzung börsennotierter Terminkontrakte in die konkrete Umsetzung zu bringen. Das Wissen über die Absicherungspraxis an Warenterminbörsen ist notwendig, um selbstständig oder im Rahmen von Molkereien bzw. Erzeugergemeinschaften entsprechende Sicherungsgeschäfte vornehmen zu können. In den Seminaren werden Erfahrungen von nordamerikanischen Milcherzeugern vorgestellt, die bereits lange Jahre börsliche Milchpreissicherung durchführen. Hierauf aufbauend werden konkret in Deutschland umsetzbare Absicherungsmodelle wie Festpreis- und Prämienmodelle sowie die Absicherungspraxis im Tagesgeschäft diskutiert und deren konkrete Umsetzungsschritte besprochen.

Die Seminare finden in Wolnzach/Oberbayern, Hannover, Koblenz, Leipzig, Münster, Berlin sowie in Mecklenburg-Vorpommern statt. Alle Kontaktdaten zur Anmeldung stehen online unter www.bauernverband.de/schulung-preisabsicherung-milch.

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Ausflug mit Senator Horch in Baumschule von Ehren und Obstbaubetrieb Köpcke im Alten

Gelungener Sommerausflug der Projektgruppe „Nachhaltigkeitsstregie im Hamburger Gartenbau“

Herr Markus Pitz, Leiter der Agarabteilung der BWVI Hamburg, hat die Mitglieder der Arbeitsgruppe P.R.A.G (Nachhaltigkeitsstrategie im Hamburger Gartenbau) im Namen des Senators Frank Horch zu einem Tagesausflug in zwei ausgewählte Hamburger Gartenbaubetriebe eingeladen. In der Sparte Baumschule sollte der aktuelle Stand der  „Nachhaltigkeitsstrategie“ und im Obstbau der „Hamburger Öko-Aktionsplan 2020“ vorgestellt werden.

Am Mittwoch, den 23.08.17 ging es morgens vor der Haus der BWVI los. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl wurde extra ein Bus der Hamburger Hochbahn gechartert, mit dem es bei herrlichstem Sonnenschein zunächst in den Süden Hamburgs zur renommierten Baumschule Lorenz von Ehren ging.

Hier wurde die Gruppe herzlichst von der Familie von Ehren empfangen. In seiner Begrüßung stellt Bernhard von Ehren den 1845 gegründeten Betrieb vor.

FamilievEhren (800x600)Die Baumschule von Ehren hat ihren Sitz in Marmstorf und rund 400 Hektar Flächen in den Gemeinden Seevetal und Rosengarten. „Bäume wachsen langsam – wir arbeiten mit langen Kulturzeiten.  Deshalb brauchen wir Pflanzen, die mit zukünftigen Bedingungen im Klima-wandel klar kommen“, sagte Firmenchef Bernhard von Ehren. Dabei forderte von der Politik mehr Unterstützung, um solche strapazierfähigen „Klimabäume“ unter Hunderten von Arten und Sorten herauszufiltern

Senator Horch betonte in seinen Grußworten, dass die Hamburger Wirtschaft nicht alleine auf den Hafen reduzieren läßt und dass auch die hiesige Landwirtschaft und der Gartenbau ein bedeutende Rolle für die Hansestadt spielen. Diese soll auch weiterhin von der BWVI unterstützt werden. Insbesondere in Zeiten des Klimawandels, den Diskussionen über Autoabgase und Artensterben spielt die grüne Branche eine immer bedeutendere Rolle gerade im urbanen Umfeld. Auch die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln hat einen hohen Stellenwert für die Wirtschaftsbehörde der Stadt Hamburg.

Baumverladung (800x600)Bei der anschliessenden Betriebs-besichtung wurden an verschie-denen Arbeitsstationen typische Tätigkeiten wie Pflege, Umpflanzen, Schnitt und Verladung demonstriert. Die Baumschule von Ehren hat sich vor allem aus ältere und größere Solitärbäume spezialisiert. So stehen Bäume bis zu 35 Jahre im Betrieb, bis sie dann endlich die richtige Größe zum Verkauf errreicht haben. Der Vertrieb der über 500.000 Bäume und Sträucher läuft europaweit von England, Frankreich, Spanien, Russland bis nach Skandnavien. Für jede Klimazone müssen jeweils die passenden Sorten ausgewählt und angezogen werden. Neu im Sortiment sind sogenannte Klima-bäume, die insbesondere für die veränderten Bedingungen in unseren Städten auf-gezogen und selektioniert werden. Diese sind besonders widerstandfähig gegen Boden-verdichtung, Abgase, hohe Strahlungsintensitäten oder Streusalz.

Gruppe1 (800x600)Abschliesend lud von Ehren die Teilnehmer zu einem Erfrischungs-getränk unter einem Pavillon aus Buchenblättern ein. Auf der Plantage im etwas hügeligen Umland der Harburger Berge konnten alle die wunderschöne Aussicht geniessen und zwischen den seltenen Sträuchern und wertvollen Gehölzen bis nach Hamburg schauen.

 

Zum Andenken an die beeindruckenden Besichtigung überreichte Herr Bernhard von Ehren allen Teilnehmern zur Erinnerung einen kleinen Amberbaum.

Mittags ging es weiter ins Alte Land nach Neuenfelde, wo die Reisegruppe von der Familie Uta und Jörg Köpcke auf ihrem Obsthof herzlichst begrüßt wurde. In der festlich hergerichteten Scheune hat das Team von „Rolling Taste“ ein exquisites Mittagessen von „Rolling Taste“ mit leckerem Fingerfood aus regionalen Zutaten zubereitet.

HorchGruppe (800x600)Mit der Obstkistenbahn ging es dann in die umliegenden und hervor-ragend gepflegten Apfelanlagen des Betriebes Köpcke. Obwohl die Bäume scheinbar voller prachtvoller Äpfel sassen,  betonte Jörg Köpcke, dass auch er in 2017 mit Ertrags-verlusten von bis zu 30% rechnet. Die durch die starken Spätfröste erzeugten Totalausfälle, wie sie aus Süddeutschland gemeldet werden, konnten im Alten Land zwar durch die vorhandene Frostschutzberegnung verhindert werden, während der Obstblüte im Mai sorgten allerdinges die vielen Niederschläge dafür, dass es nur zu einer geringen Bestäubung und entsprechend schwache Fruchtansatz kam.

HorchFamKöpcke (800x585)Das von der BWVI geförderte Projekt „Ökologischer Obstbau im Rahmen des Öko-Aktionsplans 2020“ wurde von Dr. Karsten Klopp, Leiter des Kompetenz-zentrums Obstbau  vorgestellt. Neben der eigentlichen Fachberatung über Kultur- und Anbauverfahren nimmt dabei auch die zwischenmenschliche Beratung einen erheblichen Anteil seiner Tätigkeit ein. Familie Köpcke hat sich intensiv mit den ökologischen Anbauverfahren beschäftigt, den Schritt zur endgültigen Umstellung haben sie aber bisher noch nicht gewagt.

ObstKlopp (800x600)Vorstände (800x600)

Zum Abschluss liess es sich Senator Horch nicht nehmen, persönlich den Obstbau-schlepper mit den Gästen zum Hof zurückzufahren. Dies hat er so souverän HorchTreckergemeistert und alle Besucher heil und zufrieden zum Betriebshof zurück gebracht. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass der Ausflug äußerst erfolgreich war und erheblich zur weiteren Vernetzung zwischen der gartenbaulichen Praxis, Beratung, Berufsvertretung und Behörde beigetragen hat. Dies soll unbedingt weitergeführt werden.

 

DBV-PM: DBV startet „Agrar-Wahl-Check“ online zur Bundestagswahl

DBV-Pressemitteilung vom 22.08.17

DBV startet „Agrar-Wahl-Check“ online zur Bundestagswahl

Abgleich der agrarpolitischen Positionen der Parteien

(DBV) Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat im Vorfeld der Bundestagswahl einen „Agrar-Wahl-Check“ auf seiner Homepage (www.bauernverband.de/wahl-check) installiert. Damit können Wählerinnen und Wähler die Übereinstimmung mit den agrarpolitischen Positionen der Parteien individuell abgleichen. Die 33 abgefragten Thesen fußen auf den Kernanliegen des DBV zur Bundestagswahl und können in wenigen Minuten beantwortet werden.

Der „Agrar-Wahl-Check““ ermöglicht somit einen kompakten und schnellen Überblick über die Wahlprogramme der Parteien in den Bereichen Agrarpolitik und Politik für ländliche Räume. Dem „Agrar-Wahl-Check“ liegen die programmatischen Aussagen der derzeit und ehemals im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien (CDU/CSU; SPD; Bündnis90/Die Grünen; Die Linke; FDP) zugrunde.

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Aprilfröste dezimieren Obsternte

DBV-Pressemitteilung vom 22.08.17

Rukwied: Instrumente für Risikomanagement in der Landwirtschaft ausbauen

(DBV) Die Obsternte in Deutschland fällt in diesem Jahr erheblich kleiner aus. Wetterextreme wie die April-Fröste sowie regional Hagel und Starkregen sorgen in einigen Anbauregionen, insbesondere bei den Obstbauern für deutliche Ertragseinbußen. Frostschäden gibt es im Obstbau vor allem in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Betroffen sind Steinobst (Kirschen, Pflaumen, Zwetschen), Kernobst (Äpfel, Birnen), Erdbeeren und das Strauchbeerenobst (Johannisbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren) sowie der Wein. „In diesem Jahr haben wir in Deutschland Frostschäden beim Obstbau in Höhe von rund 200 Millionen Euro bis hin zu regionalen Totalausfällen. Der Klimawandel und die Zunahme von Extremwetterereignissen erfordern ein wirksameres und besseres Risikomanagement für die Betriebe “, stellte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, auf der Pressekonferenz zur Erntebilanz 2017 fest. Neben den Frostschäden seien im Pflanzenbau bisher auch Schäden durch Hagel und Starkregen in Höhe von etwa 250 Millionen Euro aufgetreten.

Witterungsrisiken seien insbesondere für die Obstbaubetriebe durch Versicherungslösungen und auch Investitionsförderungen für Frostschutzberegnungsanlagen zu mindern, forderte Rukwied. Bei den Versicherungslösungen für diese Branche seien finanzielle Unterstützungen der Bundesländer hilfreich. Für alle landwirtschaftlichen Betriebe forderte Rukwied zudem eine steuerlich begünstigte Risikovorsorge.

In Deutschland erwarten die Apfelanbauer frostbedingt die kleinste Apfelernte seit 1991. Ausgegangen wird von einer Ernte von nur rund 555.000 Tonnen nach 1.033.000 Tonnen in 2016. Dies entspricht nur 46 Prozent der Erntemenge des Vorjahres. Insbesondere in Baden-Württemberg werden deutlich weniger Äpfel zu ernten sein, im Norden sieht es besser aus. Wirtschaftlich besonders hart getroffen sind die Betriebe mit Totalverlusten oder sehr kleinen Ernten. In der EU wird ebenso eine deutlich geringere Apfelernte erwartet. So liegt die Ernteschätzung für die EU (28) bei 9.343.000 Tonnen und damit 21 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Die deutsche Birnenernte wird bei 19.000 Tonnen liegen, 46 Prozent weniger als 2016 (35.000 Tonnen).

Die Kirschernte ist im gesamten Bundesgebiet durch Fröste massiv dezimiert worden. Große Totalausfälle sind insbesondere aus Baden-Württemberg zu vermelden. Insgesamt wird in Deutschland bei Süßkirschen in diesem Jahr mit rund 14.000 Tonnen weniger als die Hälfte der Ernte von 2016 mit 29.400 Tonnen erwartet und auch 56 Prozent weniger als im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Die 2017er Ernte ist damit eine der kleinsten Süßkirschenernten. Wirtschaftlich besonders hart getroffen sind die Betriebe mit Totalausfall der Ernte. Die Sauerkirschenernte 2017 dürfte ebenfalls frostbedingt nur bei 9.000 Tonnen liegen und damit um 45 Prozent unter der Vorjahresernte.

Auch bei Pflaumen und Zwetschen wird mit einer der kleinsten Ernten gerechnet. Insgesamt wird von rund 22.000 Tonnen ausgegangen gegenüber 2016 mit 37.800 Tonnen.

Bei Mirabellen wird 2017 eine Erntemenge von rund 3.500 Tonnen nach 4.300 Tonnen im letzten Jahr erwartet.

Die Erdbeersaison war witterungsbedingt mehr als durchwachsen. Auch hier gab es frostbedingte Ausfälle. Insgesamt war aber der Saisonverlauf von Süden nach Norden gleichmäßiger als in den früheren Jahren. Die feuchte Witterung im Juli hat den empfindlichen Früchten zusätzlich zugesetzt. Die Erntemenge wird sich auf rund 120.000 Tonnen nach 150.000 Tonnen (2016) belaufen, also rund 20 Prozent weniger.

Beim Beerenobst wird in diesem Jahr das niedrige Vorjahresergebnis nochmals unterschritten. Derzeit ist davon auszugehen, dass die Ernte 2017 von roten Johannisbeeren bei knapp 4.000 Tonnen liegen dürfte, die bei schwarzen Johannisbeeren bei 8.000 Tonnen und bei Himbeeren um 4.000 Tonnen. Die Heidelbeerernte dürfte die 8.000 Tonnen erreichen.

Gemüse

Vielen Gemüsekulturen haben Stark- und Extremniederschläge in diesem Jahr zugesetzt.

Die Spargelsaison ist seit dem 24. Juni, dem Johannistag, beendet. Es wurden gut 127.000 Tonnen Spargel geerntet und damit 6 Prozent mehr als im Vorjahr (119.400 Tonnen).

Die Anbaufläche von Zwiebeln wurde im Vergleich zum Vorjahr in Deutschland nicht mehr ausgedehnt und liegt bei rund 11.000 ha. 2017 ist von einer Ernte von gut 500.000 Tonnen auszugehen, nach 523.000 Tonnen im Jahr 2016.

Witterungsbedingt verzögerte sich die Entwicklung der Möhrenbestände, teilweise war es zu nass für die Möhren. Die Erntemenge dürfte mit 550.000 Tonnen unter dem Vorjahr (641.000 Tonnen) liegen.

Im Unterglasanbau waren die Preise für Salatgurken und Tomaten in der Frühsaison durchschnittlich, in der Hauptsaison haben die Preise für Salatgurken und Tomaten deutlich nachgegeben.

Hopfen

Beim Hopfen wird nach der vergangenen Rekordernte von 42.800 Tonnen in diesem Jahr mit 34.000 Tonnen gerechnet und damit nur mit einer unterdurchschnittlichen Ernte. Bei einer Flächenausweitung von 5 Prozent wurde 2017 Hopfen auf 19.543 ha angebaut.

Wein

Die Lese für den Federweißen hat begonnen. Für eine genauere Einschätzung der Weinernte ist es noch zu früh, denn für die Qualität des Weinjahrgangs sind immer die letzten Wochen vor Beginn der Traubenlese die entscheidenden. Die Reben zeigen sich derzeit in einem sehr guten Entwicklungsstand. Mengenmäßig wird für 2017 von einer frostbedingt unterdurchschnittlichen Erntemenge um die 8,5 Millionen Hektoliter ausgegangen.

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„Die Getreideernte ist in diesem Jahr vielerorts ein Nervenspiel“

 

DBV-Pressemitteilung vom 22.08.17

Bauernpräsident Rukwied zieht Erntebilanz 2017: Unterdurchschnittliche Getreideernte

(DBV) Die deutschen Bauern fuhren in diesem Jahr nur eine unterdurchschnittliche Getreide- und Rapsernte ein. Der äußerst wechselhafte Sommer mit regional sehr unterschiedlich aufgetretenen Wetterextremen hat die Erntearbeiten teilweise massiv behindert und verzögert. Die Ernte in Norddeutschland und in einigen Höhenlagen ist derzeit immer noch nicht abgeschlossen. Für Deutschland zeichnet sich 2017 eine Erntemenge von 44,5 Millionen Tonnen Getreide ab. Damit wird das enttäuschende Vorjahresergebnis (45,4 Millionen Tonnen) noch einmal um zwei Prozent verfehlt. 2015 wurden fast 49 Mio. Tonnen Getreide geerntet. Deutlicher fielen die Einbußen bei Raps aus: mit nur 4,3 Millionen Tonnen Winterraps wurden 6 Prozent weniger Raps als im Vorjahr geerntet. Dies geht aus dem abschließenden Erntebericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor, der wie die zwei Zwischenberichte auf den Meldungen der Landesbauernverbände über die tatsächlich geernteten Flächen und Mengen beruht.

„Die diesjährigen Getreide- und Rapserträge zeichnen sich durch große regionale Unterschiede aus, bleiben abgesehen von der Gerste im Bundesdurchschnitt jedoch hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Die Witterungsbedingungen waren nicht optimal und vielfach durch Extremwetterereignisse geprägt, die auch im Ackerbau Schäden verursacht haben,“ kommentierte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, das abermals für die deutschen Bauern enttäuschende Ernteergebnis. Zwar konnten die Erträge in einzelnen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gegenüber dem sehr schwachen Vorjahr deutlich verbessert werden, die Landwirte im Westen und Südwesten Deutschlands dagegen mussten nach den schwachen Vorjahreserträgen weitere Ertragseinbußen hinnehmen. Auch die Betriebe in Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) verzeichneten geringere Erträge als 2016, allerdings wurde damals eine überdurchschnittliche Getreideernte eingefahren.

Ausgehend von vielfach zu trockenen Aussaat- und somit schlechten Auflaufbedingungen für den Winterraps setzten sich die geringen Niederschlagsmengen im Winter 2016/2017 und in diesem Frühjahr fort. Auf einen warmen März folgte am 19./20. April ein Kälteeinbruch mit Nachttemperaturen von bis zu minus 7 Grad Celsius. Mitte Juni herrschte in Deutschland verbreitet eine sehr heiße und extrem trockene Witterung, an die sich mit Sturmtief „Paul“ erste Hagel- und Starkregenereignisse anschlossen. Die mit Beginn der Wintergerstenernte einsetzende sehr wechselhafte Witterung mit verbreitet hohen Niederschlagsmengen setzte sich im Juli fort. Der Juli war laut Deutschem Wetterdienst einer der zehn niederschlagsreichsten Julimonate seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Bundesweit fielen rund 130 Liter Regen pro Quadratmeter, was 163 Prozent des durchschnittlichen Juli-Niederschlags entspricht. Die letzten Juli-Tage waren regional zudem von ergiebigem Dauerregen geprägt. „Erntereife Getreidebestände lagern, was die Erntearbeiten erschwert und die Kosten durch Trocknung erhöht. Das im August weiterhin unbeständige Sommerwetter mit immer wiederkehrenden Niederschlägen hat die Erntearbeiten verzögert. Die Ernte 2017 wurde zu einem Nervenspiel für unsere Ackerbauern, die in ihrem Bemühen um den Erhalt von Mengen und Qualitäten der Getreide- und Rapsernte stark gefordert wurden“, so der Bauernpräsident.

Der Deutsche Bauernverband legt für die einzelnen Kulturen die folgende Erntebilanz vor:

Die mit Abstand am häufigsten angebaute Getreideart in Deutschland ist mit einer Anbaufläche von 3,14 Millionen Hektar Winterweizen, der stark unter den widrigen Witterungsverhältnissen gelitten hat. Zunächst traf die Hitzewelle im Juni die Winterweizenbestände während der Ausbildung des Ertrages, d.h. in der Kornfüllungsphase, die mit dem trockenheits- und hitzebedingten Stress durch die sogenannte Notreife abgebrochen wurde. Im Juli und August litten die erntereifen Weizenbestände unter den wiederkehrenden Niederschlägen, welche die Bestände regelrecht haben zusammenbrechen lassen. In der Folge sind die Weizenbestände – wie der Landwirt sagt – ins Lager gegangen, wodurch die Ernte zusätzlich erschwert wurde. Die regenbedingten Ernteunterbrechungen haben dazu geführt, dass der Winterweizen an den Küstenregionen Norddeutschlands und in einigen Höhenlagen noch nicht vollständig abgeerntet werden konnte. Regional hat auch Dauerregen die Befahrbarkeit der Flächen unmöglich gemacht. Vor diesem Hintergrund geht der Deutsche Bauernverband von einem Durchschnittsertrag von gut 7,4 Tonnen Weizen pro Hektar aus. Damit wird das Vorjahresergebnis von 7,7 Tonnen um gut drei Prozent, der fünfjährige Mittelwert von 8 Tonnen pro Hektar sogar um nahezu 7 Prozent verfehlt. Unter Berücksichtigung der Anbaufläche ist somit für Winterweizen eine Erntemenge von insgesamt 23,4 Millionen Tonnen zu erwarten. Gegenüber der letztjährigen Erntemenge von 24,1 Millionen Tonnen entspricht dies einem Rückgang um mehr als 720.000 Tonnen bzw. 3 Prozent. Neben den Ertragsverlusten haben sich die Qualitäten der erntereifen Weizenbestände durch die Regenfälle verringert. So haben die Fallzahlen – neben dem Proteingehalt ein wichtiges Kriterium für die Eignung von Weizen als Brotgetreide – bei den später geernteten Partien deutlich abgenommen. In der Folge können Landwirte diesen Weizen oftmals nur noch als Futterweizen vermarkten. Um diesen Verlust zu vermeiden, haben Landwirte regional auch die Ernte des Weizens mit zu hohen Feuchtigkeitsgehalten in Kauf genommen. Die Getreidepartien müssen kostenaufwendig zunächst getrocknet werden. Nach dem schleppenden Ernteverlauf wird somit die Nachernte-Logistik ebenfalls aufwendiger.

Die Ernte der Wintergerste ist beendet. Die Anbaufläche wurde in Relation zur vergangenen Ernte um drei Prozent auf 1,23 Millionen Hektar eingeschränkt. Die Erträge übertreffen mit 7,2 Tonnen pro Hektar das Vorjahresergebnis von 7,1 Tonnen pro Hektar nur leicht, so dass insgesamt eine Wintergerstenernte von 8,8 Millionen Tonnen herangewachsen ist. Die letztjährige Erntemenge wird somit nur um knapp zwei Prozent verfehlt, der fünfjährige Durchschnitt in Höhe von 8,7 Millionen Tonnen dagegen leicht übertroffen.

 

Sommergerste wurde in diesem Jahr auf 341.000 Hektar angebaut, womit die Bedeutung des Sommergerstenanbaus im Vergleich zum fünfjährigen Durchschnitt (400.000 Hektar) um fast 15 Prozent abgenommen hat. Wichtige Anbauregionen sind Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Im Bundesdurchschnitt wurden bei der Sommergerste Erträge von 5,4 Tonnen pro Hektar erzielt, so dass sich die Erntemenge auf insgesamt 1,85 Millionen Tonnen beläuft. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr (1,77 Millionen Tonnen) einer Steigerung der Erntemenge um fünf Prozent, gegenüber dem langjährigen Durchschnitt (2,22 Millionen Tonnen) jedoch einem Rückgang um mehr als 16 Prozent. Sommergerste findet vor allem als Braugerste Verwendung. Folglich ist die Einhaltung bestimmter Qualitätskriterien (Proteingehalt, Vollgerstenanteil) besonders wichtig für die Vermarktung der Sommergerste. Örtlich hat sich ein zu hoher Proteingehalt als problematisch erwiesen.

 

Die diesjährige Roggenernte beträgt nur 2,8 Millionen Tonnen. Gegenüber der letztjährigen Ernte in Höhe von 3,2 Millionen Tonnen ist die Erntemenge um gut zehn Prozent, gegenüber dem fünfjährigen Durchschnitt um rund 26 Prozent zurückgegangen. Zurückzuführen ist dies in erster Linie auf die diesjährige Anbaufläche von 538.000 Hektar (- 6 Prozent gegenüber Vorjahr, – 19 Prozent gegenüber dem Mittelwert 2012 – 2016). Im Bundesdurchschnitt liegt der Roggenertrag bei 5,3 Tonnen pro Hektar (- 5 Prozent gegenüber 2016), was unter anderem auf massive Ertragseinbußen im wichtigsten Roggenanbauland Brandenburg zurückzuführen ist.

 

Die wichtigste in Deutschland angebaute Ölpflanze ist Winterraps, dessen Anbaufläche zur Ernte 2017 1,31 Millionen Hektar betrug. Der Witterungsverlauf hat die Winterrapserträge deutlich gemindert. Sehr trockene Witterungsverhältnisse nach der Aussaat haben die Rapsbestände schlecht auflaufen lassen, was vielfach zu Beständen mit Lücken geführt hat. Zudem trafen die Frostnächte im April den Raps in der Blüte. Ein erhöhter Krankheits- und Schädlingsdruck sowie die Hitzewelle im Juni verringerten das Ertragspotenzial weiter. Abschließend verhinderten die regenbedingten Ernteunterbrechungen ein fristgerechtes Einbringen der Rapsernte, so dass es selbst beim Raps zum Auswuchs, d.h. zum Auskeimen der Rapskörner an der Rapspflanze kam. Aufgrund dieser widrigen Umstände liegen die Rapserträge im Bundesdurchschnitt nur bei 3,3 Tonnen pro Hektar (2012 – 2016: 3,9 Tonnen) und die Erntemenge insgesamt bei 4,3 Millionen Tonnen. Die Rapsernte liegt damit knapp 6 Prozent unter der Vorjahresernte in Höhe von 4,6 Millionen Tonnen und rund 18 Prozent unterhalb des fünfjährigen Durchschnitts (5,3 Millionen Tonnen). Neben den nicht zufriedenstellenden Erträgen enttäuschten vielfach auch die Ölgehalte. Diese liegen verbreitet um 40 Prozent.

 

Mais und Zuckerrüben profitieren bisher von dem Wechsel aus Regen und warmen, sonnenscheinreichen Tagen und konnten sich zuletzt positiv entwickeln, auch wenn feuchte und zugleich warme Witterung gerade bei Zuckerrüben die Gefahr von Blattkrankheiten birgt. Sowohl Mais als auch Zuckerrüben werden erst in den Herbstmonaten geerntet. Weiterhin warme Temperaturen und ausreichende Sonneneinstrahlung können sich daher noch positiv auf die Entwicklung des Kornertrages von Mais bzw. des Zuckergehaltes der Zuckerrüben auswirken.

Die Preissituation stellt sich wie folgt dar: Der nur zögerliche Erntefortschritt hat den üblicherweise mit dem steigenden Angebot während der Ernte einhergehenden Preisdruck abgemildert. Dennoch stellt sich die preisliche Situation für die deutschen Ackerbaubetriebe derzeit nur etwas besser als im Vorjahr dar. Für Brotweizen erzielt der Landwirt im Bundesdurchschnitt 153 (August 2016: 143) Euro pro Tonne, für Futtergerste 135 (August 2016: 121) Euro pro Tonne. Da die deutschen Ackerbaubetriebe im freien Wettbewerb zu anderen Getreideerzeugungsregionen der Welt stehen, blicken die deutschen Landwirte mit Interesse auf die in Europa und weltweit erzeugten Getreidemengen. Die europäische Getreideproduktion erreicht mit 296 Millionen Tonnen in etwa das Vorjahresniveau, wobei die Weizenproduktion innerhalb der EU-28 wieder auf gut 147 Millionen Tonnen gesteigert werden konnte (2016: 143). Weltweit werden nach den jüngsten Schätzungen des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums voraussichtlich 743 (2016: 755) Millionen Tonnen Weizen produziert. Bei einem Verbrauch von 737 Millionen Tonnen wird es somit zu einem weiteren Aufbau der ohnehin äußerst komfortablen Lagerbestände auf 265 (Vorjahr: 259) Millionen Tonnen kommen.

 

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